Die Berliner Weiße sind bestellt, wir haben einen tollen Blick auf die Weser, der Biergarten ist gut besucht. Hier in Hemeln ist die Welt noch in Ordnung, es ist fast schon ein wenig zu idyllisch. Mir gegenüber sitzt Roland, entspannt zurück gelehnt, in der linken Hand eine Zigarette. Darf ich vorstellen: Mein Papa.

 

1    Welcher Ort zieht dich magisch an?

Irland, und zwar seit meiner frühsten Jugend. Für mich ist das Land magisch, wahrscheinlich weil ich früher immer gerne Sagen gelesen habe, die auch dort spielten. Doch es ist nicht nur die Magie, die mich anzieht, auch die Landschaft finde ich faszinierend. Diese Weite, dieses Grün! Berge neben steilen Küsten, die raue, schroffe See. Dann mag ich aber auch die Kultur und die Musik. Und ich trinke auch gerne mal ein Guiness. Leider war ich bisher noch nie in Irland. Trotzdem spüre ich diese Anziehungskraft und will unbedingt einmal dieses Land bereisen.

 

 

2    Hast du eine Morgenroutine?

Besonders morgens bin ich gerne allein. Ich stehe in der Regel zwischen sechs und halb sieben auf und mache mir zuerst einen Kaffee. Dann denke ich bei einer Zigarette (oder auch zwei) über das Vergangene nach und über das, was noch kommt. Mal ausgedehnter, mal weniger ausgedehnt, abhängig von meinen Plänen und der Arbeit. Dieses langsame Hochfahren – ich habe gemerkt, dass ich das brauche. Und wenn ich nicht dazu komme, fehlt es mir. Wenn dann meine Frau aufsteht und dazu kommt, habe ich bereits meine kleine Zeit gehabt. An manchen Tagen habe ich dafür leider kaum Zeit. Aber ich versuche dennoch, sie mir zu nehmen.

 

3    Was möchtest du deinen Kindern mitgeben?

Ich bin jetzt knapp über 50 Jahre alt. Besonders in den letzten Jahren habe ich viel dazu gelernt, besonders wie wichtig es ist, bereits früh damit anzufangen, das Leben zu genießen. Sich Zeit zu nehmen und die eigenen Ziele und Vorhaben zu verfolgen und sie auch zu verwirklichen. Es ist wichtig, immer ehrlich zu sein und anderen Menschen gegenüber offen und aufgeschlossen. Und es ist vollkommen okay, das Leben langsam anzugehen. Mir ist ein wenig die Zeit davon gelaufen und jetzt weiß ich: Geld ist nicht alles, Gesundheit geht vor. Sie sollten ihre Prioritäten nicht auf das Geld verdienen legen, sondern auf das, was Ihnen Spaß macht. Und wenn ihnen etwas nicht passt, sollen sie es sagen, und nichts vor sich hertragen. Klebt keine Rabattmarken – man sammelt und sammelt und dann kommt es Bumm, und es ist vorbei. Das muss ja nicht sein.

 

4    Was macht dich stolz?

Besonders das letzte Jahr: Kurz vor dem Verfall, leicht überspitzt gesagt, habe ich es geschafft wieder aktiver am Leben teilzunehmen. Stolz macht mich daher jeder gelaufene Kilometer. Ich war gesundheitlich stark angeschlagen und bin sehr froh, dass jetzt Land in Sicht ist. Wenn ich die Frage auf mein Leben beziehe, dann bin ich aber auch stolz auf meinen beruflichen Werdegang: Vom Leiharbeiter in Zeitarbeit zum fest angestellten Gruppenleiter. Ich habe da wirklich etwas geleistet, für die Sache gekämpft und mich da durch gebissen.

 

5    In welchem Land würdest du gerne leben und warum?

Das doppelt sich ein wenig, denn wie gesagt: Irland ist das Land meiner Wahl, vom Volk und der Landschaft einmalig. Mein Traum wäre eine kleine Cottage an der Küste, nichts aufwändiges, eher einfach gehalten. Dort könnte ich abschalten.

 

6    Was bedeuten dir deine Tattoos?

In der heutigen Zeit sind Tätowierungen nicht mehr so anrüchig. Ich kenne das noch anders, denn ich trage meine seit meinem 14. Lebensjahr. Wenn ich damals Schwebebahn gefahren bin, habe ich die Blicke schon gespürt. Das war eben die Reaktion in den 70er-Jahren auf tätowierte Männer: Man hat neugierig geschaut, aber war zugleich auch ängstlich. Heutzutage ist das anders.

Wir haben unsere Tattoos damals selbst gestochen und richtig nachvollziehen kann ich es heute kaum noch. Aber ich denke, dass ich es aus einer Schwäche heraus getan habe, um mich härter dazustellen, als ich in Wirklichkeit war. Ich baute mir meinen eigenen Schutzraum.

Immer wieder gab es Überlegungen, meine Tätowierungen weglasern zu lassen oder neu zu übermalen. Mittlerweile stören sie mich aber kaum noch. Meine Frau sagt immer: Roland, deine Tätowierungen gehören zu dir, man kennt dich so. Und ich glaube sie hat recht. Wahrscheinlich verhält es sich ähnlich zu Namen: Da wächst man ja auch rein. Sie werden zu einem Teil deiner Persönlichkeit, klar verbunden.

 

7    Welche Idee trägst du seit Jahren mit dir herum, ohne sie umzusetzen?

Ich will ein Bild malen, groß, im Panoramaformat – so ungefähr 16:9. Anfangen würde ich mit meinem Geburtsort Bergneustadt, dann zeigt es die Trennung meiner Eltern, gefolgt von der Zeit bei meiner Oma in Wuppertal und so weiter. Jede Station meines Lebens, jedes gravierende Ereignis würde ich malerisch auf diesem Bild verewigen. Nur habe ich bisher noch keinen Weg gefunden, um dieses großformatige Bild zu verwirklichen. Ich bin auch kein talentierter Maler, mir fehlt dazu also noch das geeignete Hilfsmittel. Aber ich denke, dass ich das Projekt irgendwann in Angriff nehmen möchte. Es zeigt dann mein Leben, die guten und die schlechten Zeiten.

Roland, lieben Dank für das Gespräch.

 

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