Im Flur stapelt sich die Verpackungspappe von Möbeln. Seit ein paar Tagen wohnt Martin nun in seiner neuen Wohnung. Ich kenne das noch anders: Vor vier Jahren lernte ich ihn kennen, gemeinsam mit seinem Mitbewohner teilte er sich da noch eine Wohngemeinschaft in der Südstadt Kassels, die Küche voller Band- und Filmposter. Jetzt sitzen wir an dem frisch zusammengebauten Esstisch, das Fenster zum Park ist geöffnet, das Bier steht kalt. Am Ende des Interviews werden wir Pizza bestellen.

Ein kurzer Küchenwechsel: Als fünfpluszwei noch nicht mehr war als eine Idee und ich gerade dabei war, Fragen für das Projekt zu sammeln, schickte Martin Frage 24 in’s Rennen. Dass die Frage es tatsächlich in den Fragenkatalog schaffen würde, stand schon damals fest. Genau wie die Tatsache, dass ich ihm diese Frage heute stellen werde. Neugierig? Zu Recht.

 

 

1    Von welchen Gegenständen kannst du dich einfach nicht trennen?

Gute Frage! Genau das ist für mich erst kürzlich relevant geworden, denn ich bin umgezogen. Obwohl ich sehr viel ausmisten wollte, habe ich trotzdem Sachen mitgeschleppt, die ich schon immer hatte und jetzt offensichtlich auch behalte. Wovon ich mich jedoch nicht trennen kann und will ist unter Anderem dieser Baseball dahinten. Der ist schon so alt, dass ich nicht mehr ganz genau weiß, wo ich ihn her habe. Ich glaube er ist ein Geschenk meines Patenonkels, mitgebracht von einer USA-Reise. Dabei habe ich noch nie ein Baseball-Spiel zu Ende gesehen. Eigentlich habe ich mit Baseball auch überhaupt nichts am Hut, aber ich behalte ihn trotzdem. Und er sieht halt auch ganz cool aus.

 

2    Was war deine erste Videospielerfahrung?

Als ich diese Frage angekreuzt habe, wusste ich die Antwort noch nicht. Mittlerweile aber schon: Meine erste Videospielerfahrung war Super Mario Brothers bei einem damaligen Schulkameraden aus der Grundschule. Und da hat es mich infiziert. Wir hatten dann später selbst einen NES, also ein Nintendo Entertainment System, und spielten darauf eben auch Super Mario, Tennis und so ein U-Boot-Spiel. Das habe ich aber nie verstanden. Später habe ich meinen ersten Gameboy geschenkt bekommen und da habe ich viel Tetris und Mega Man gespielt. Mega Man war eigentlich schon fast zu schwer, aber ich habe mich durchgebissen. Insgesamt habe ich also eher bekannte Spiele gespielt. Aber es gibt einen Exoten, den wahrscheinlich nicht so viele gespielt haben, in den ich aber sehr viel Zeit investiert habe: der Eishockeymanager 2000.

Da managte ich Mannschaften und wir hatten natürlich auch Spiele. Man hat angezeigt bekommen, wie viele Zuschauer gerade bei einem Eishockeyspiel sind. Manchmal stand dann „Ausw.“ auf dem Bildschirm und ich dachte eine Zeit lang, dass das für „ausverkauft“ steht und habe mich gefreut. Erst später habe ich verstanden, dass es für ein Auswärtsspiel stand. Er lacht.

Aber generell habe ich immer ganz gerne Manager-Spiele gespielt. Das war dann eventuell auch ausschlaggebend für meine berufliche Laufbahn. Ich habe gemerkt ich mache gerne so BWL-Kram. Aber zurück zu den Videospielen: Ich habe auch einmal Stubenarrest bekommen, weil ich zu viel und zu lange Dungeon Keeper gespielt habe, sogar der Strom wurde abgestellt. Da war ich in etwa zwölf Jahre alt.

 

3    Wenn du eine Supergroup aus deinen Lieblingsmusikern zusammenstellen dürftest, wer wäre dabei,  wie würde sie heißen und was für Musik würde sie machen?

Das ist leicht, denn das wären die Beatles ohne John Lennon. Sie würden dieselbe Musik machen, aber ohne die John Lennon-Solo-Lieder, es gäbe zum Beispiel kein „Imagine“ mehr. Und sie würden vielleicht „Die Beatles in cool ohne den langweiligen Weltverbesserer“ heißen.

 

4    Was ist für dich der schönste Aspekt des Älterwerdens?

Man wird entspannter. Wenn man so zurück an die Jugend denkt, so ans Teenie-Alter, da hat man sich ja über jeden Unsinn Sorgen und Gedanken gemacht und sich aufgeregt – alles war dramatisch. Jetzt ist vieles davon nicht mehr so wichtig. Man konzentriert sich eher auf die wichtigen Dinge im Leben: Gesundheit, Freunde, vielleicht irgendwann Familie.

 

5    Welche Frage fehlt?

Welcher Film beschreibt dein Leben im Alter von 18 bis 25? So Anfang 20 ist für viele eine spannende Zeit, da hat man sich noch nicht gefunden. Ich kenne gar nicht so viele Filme, die in einer anderen Altersspanne spielen. Gäbe es die Frage, dann hätte ich sie gerne beantwortet und zwar mit „Absolute Giganten“. Da geht es um den Übergang von der Kindheit in’s Erwachsenensein. Das ist wie Abschied nehmen. Ich bin zu dieser Zeit zum Beispiel zum Studieren von Trier nach Kassel gezogen.

 

6    Welches war dein erstes Auto, hast du eine Anekdote?

Mein erstes Auto war ein Škoda Favorit, Baujahr 1990. Er war sehr kastenförmig und weiß, mit rotem Kotflügel, aber nur auf der einen Seite. Auf jeden Fall kein langweiliges Auto. Für viele ist das erste Auto ja oft so ein Golf oder Polo, den sie von ihren Eltern bekommen haben. Der war vielleicht nicht sehr teuer, aber schon teuer genug. Das Kind soll ja ein anständiges und sicheres Auto haben.

Mein Auto dagegen war eher ein Abenteuer. Der Wagen hat meinem Cousin gehört. Mein Onkel hatte einen wilden Garten, leicht verwahrlost, und als ich das Auto dort aus der Wiese gezogen habe, war es schon fast zugewachsen. Eigentlich war der Škoda dafür sogar recht zuverlässig, auch wenn es mehrere Pannen gab. Wenn etwas kaputt ging, konnte es mein Stiefvater reparieren, der ist KFZ-Mechaniker. Wir hatten das Glück, dass wir einen Schrottplatz mit den passenden Ersatzteilen in der Nähe hatten.

Einmal kam ich morgens mit einem Freund von einer Party in irgendeiner Grillhütte. Irgendwann kam Qualm aus der Lüftung des Wagens und es hat gestunken. Mein Beifahrer hat noch gefragt ob irgendetwas nicht stimmt, aber ich habe mir keine Gedanken gemacht. Dann wurde es schlimmer, der Wagen blieb stehen – das Kühlwasser war ausgelaufen. Aber das war dann auch schnell mit Wasser aus dem Supermarkt wieder behoben.

Ich weiß noch genau, wie der Wagen von innen aussah. Über dem Rückspiegel hingen Plüschtiere von Burger King und McDonalds, zum Beispiel der Hase aus Alice im Wunderland. Der Schaltknüppel war ein ausgehöhlter Knochen, kein echter natürlich. Als ich nach Kassel gezogen bin, habe ich das Auto zurück gelassen.

 

7    Was bereust du?

Ich neige schon dazu, zu sagen: Ich bereue nichts. Denn man kennt ja auch nie die Alternative. Wenn man sich für eine Richtung entschieden hat, weiß man nicht, wie sich die andere anfühlt. Es gab mit Sicherheit Situationen, in denen ich kurzfristig gedacht habe: Das wirst du bereuen. Aber mir fällt nicht einmal ein Beispiel ein. Ich bin jetzt an einem Punkt, da bin ich einfach sehr froh und zufrieden. Selbst wenn ich mich also irgendwann einmal falsch entschieden habe oder Mist baute, war es wohl für etwas gut.

Martin, lieben Dank für das Gespräch.

 

 

Auch wenn man es kaum glauben kann – sieben Fragen sind nicht unbedingt viel und im besten Fall hat man nach so einem Gespräch noch mehr Fragen als zuvor. Umso wichtiger, dass sie auch gestellt werden. Zum Beispiel hier als Kommentar oder gerne auch per E-Mail. Leg los!

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