Salz liegt in der Luft. Gemeinsam mit Daniel Lauterbach sitze ich auf dem trockenen Boden einer Klippe in Portugal. Vor uns tobt der Atlantik wild gegen das Gestein. Daniel und ich kennen uns lange und gut – umso aufgeregter bin ich. Ich frage mich, welche Fragen er jetzt wohl beantworten möchte und ob mich die Antworten dann überraschen. Warum wir ausgerechnet hier sind? Wir machen Urlaub. Denn auch er braucht mal eine kurze Pause von seinem Arbeitsalltag beim Staatstheater Kassel.

 

1    Wann warst du zuletzt zur richtigen Zeit am richtigen Ort?

Gerade hier und jetzt. In Portugal, auf einer Klippe, mit dem Blick auf den atlantischen Ozean. Vor uns die Wellen, über uns die Möwen. Auch wenn es sehr nach Klischee klingt, ich finde es wunderschön. Eigentlich finde ich die Vorstellung furchtbar, seinen Urlaub immer wieder am selben Ort zu verbringen. Aber ich bin jetzt zum zweiten Mal hier in der Algarve, und ich glaube, es wird nicht das letzte Mal gewesen sein. Hier gibt es alles, was ich brauche und mir auf Reisen wünsche: Sonne, eine schöne Landschaft, Wellen zum Surfen und Angucken, leckeres Essen … gegrillte Sardinen.

 

2    Welche Idee trägst du seit Jahren mit dir herum, ohne sie umzusetzen?

Da ich eine Idee selten sofort umsetze oder angehe, gibt es davon einige. Denn zuerst durchdenke ich eine Idee ganz genau und stelle mir die Fragen: Ist die Idee wirklich gut? Bekomme ich das hin? Eine Idee, die ich schon länger habe, und die mich auch nicht wirklich los lässt, ist ein eigener Magazinladen.

Ich finde Magazine toll, lese sie gerne, schätze ihr Design und spüre gerne das Papier zwischen meinen Fingern. Aktuell gibt es so viele verschiedene und spannende Magazine, das finde ich großartig. Teilweise werden sie sehr hochwertig produziert, von kleinen Verlägen oder im Eigenverlag veröffentlicht.

Ich würde also gerne einen Laden aufmachen, in dem man solch liebevoll gestalteten und hergestellten Magazine kaufen kann. Der Laden soll zum Stöbern einladen, hat eine kleine, gemütliche Sitzecke und natürlich eine gute Kaffeemaschine. Die Magazine sollen nicht nur angefasst, sondern auch gelesen werden.

Mir geht es dabei nämlich nicht ausschließlich um das Design. Auch der Inhalt ist wichtig. Beeindruckt hat mich beispielsweise Das Wetter. Ein Musikmagazin in dem jedoch auch Prosa, Lyrik und diverse Essays abgedruckt werden. Die Texte sind immer sehr gut geschrieben und in Abgrenzung zu anderen Musikmagazinen spannend und interessant. Und dann ist es auch noch perfekt gestaltet!

Ich glaube Kassel wäre als Ort gut geeignet für solch einen Laden. Denn dort ist es schwieriger, an schöne Magazine zu kommen. Ich glaube es gäbe auch das Interesse und die Kundschaft. Klar, solche Läden gibt es in Deutschland bereits. Doch nicht überall, abgesehen von den Bahnhofshandlungen. Da bekommt man zwar auch einige der Guten, aber eben nicht alle. Und man muss sie zwischen den vielen schrecklichen Magazinen sehr genau suchen. Aber bisher ist das eben auch nur eine Idee. Ab und zu denke ich darüber nach. Zu einer ernsthaften Planung ist es noch nicht gekommen.

 

3    Wofür hättest du gerne mehr Zeit?

Auf mich wartet ein großer Stapel voll Bücher und Magazine, die gelesen werden wollen. Ich kaufe sie eben so gerne: Skateboard-Magazine, Outdoor-Magazine, Bücher. Aktuell lese ich Gegenspiel von Stefan Thome in der Büchergilde-Version, Rico, Oskar und das Herzgebreche von Andreas Steinhöfel und Kreativität aushalten von Frank Berzbach.

Außerdem hätte ich gerne mehr Zeit zum Skateboardfahren und zum Reisen, denn ich bin gerne unterwegs. Auch einfach einmal nichts tun und sich ohne Aufgabe auf den Balkon setzen wäre schön – diese Freiheit nimmt man sich viel zu selten.

Der Mangel an Zeit beschäftigt mich häufig. Er stört mich. Ich finde es schade, dass so wenig Zeit im Alltag für die schönen Sachen übrig bleibt. Bisher habe ich dafür jedoch noch keine Lösung gefunden.

Er lacht.

 

4    Was hast du als letztes gelernt?

Ich habe diese Woche zum dritten Mal in meinem Leben einen Surfkurs gemacht. Der erste ist bereits einige Zeit her, damals surfte ich in Nordspanien. Diesen und letzten Sommer entdeckte ich Portugals Strände für mich, denn die Wellen sind super zum Lernen und Üben. In Lagos habe ich eine tolle Surfschule gefunden. Die Lage ist ausgezeichnet, hier ist man so flexibel: Je nach Wellengang surfen wir an dem Strand mit den besten Bedingungen.

Surfen ist ein schwieriger Sport, aber mittlerweile klappt es ganz gut. Weißwasserwellen beherrsche ich jetzt schon einigermaßen. Gestern durfte ich zum ersten Mal rauspaddeln und mich an den grünen Wellen versuchen. Aber das muss ich noch sehr viel üben. Ich freue mich darüber, dass ich inzwischen ganz gut surfen kann, es ist einfach ein schöner Sport. Und ich freue mich schon jetzt auf die nächste Möglichkeit dazu, um noch mehr zu lernen und besser zu werden.

 

5    Wovor hast du Angst?

Ich habe Angst vor den gesundheitlichen Aspekten des Älterwerdens. Die Vorstellung, immer häufiger Schmerzen zu haben und mobil eingeschränkt zu sein, finde ich schrecklich. Eben weil ich auch sehr gerne Sportarten betreibe, die eine hohe Beweglichkeit erfordern: Skateboard und Snowboard fahren, Surfen. Generell bin ich gerne draußen und genieße. Das irgendwann nicht mehr machen zu können, finde ich sehr schade und traurig.

Deswegen freue ich mich aber auch immer, wenn ich alte Menschen sehe, die ihr Leben genießen und glücklich und zufrieden sind. Trotz mancher Einschränkungen schaffen sie es, Spaß an ihrem Leben zu haben. Ich hoffe sehr, dass es mir ähnlich gehen wird.

 

6    Was gibt dir die Sicherheit im Leben?

Das ist bei mir ganz klar meine Familie. Ich weiß, ich kann mich immer auf sie verlassen. Sie wird immer für mich da sein. Egal was passiert und egal wie es mir geht – ich werde unterstützt. Das finde ich schön, aber vor allem auch wichtig und nicht selbstverständlich. Dass es für mich selbstverständlich ist, dafür bin ich sehr dankbar.

 

7    Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus?

Ich arbeite am Staatstheater Kassel als Grafiker. Daher passt mein Arbeitsalltag gerade sehr gut zu meinem persönlichen Biorhythmus: Ich muss erst um 10 Uhr anfangen, dafür kann es abends auch mal später werden. Es gibt am Theater für mich keine festen Stundenzahlen, sondern einen Tarifvertrag. Der besagt in etwa: Feierabend ist, wenn die Arbeit gemacht ist. Meistens gibt es mehr als genug zu tun.

Mein typischer Arbeitsalltag beginnt nach dem Frühstück mit einem Spaziergang durch das Grüne, denn ich laufe zu Fuß zum Theater durch die Kasseler Karlsaue. Einmal angekommen werde ich vom Pförtner begrüßt, werfe einen Blick in das Postfach und dann geht es auch schon an die Arbeit.

Ich priorisiere die Aufgaben und beginne mit der dringendsten. Manchmal geht es um die Konzeption und Umsetzung neuer Ideen für Werbemittel wie Postkarten, Plakate und Anzeigen. Andere Aufgaben haben aber auch einen festen Ablauf. Bei einer Theater- oder Opern-Premiere weiß ich beispielsweise ganz genau, wann und wie das Programmheft gestaltet werden muss. Hierzu werden Fotos von den Inszenierungen, die ich vom Theaterfotografen bekomme, mit den Texten der Dramaturgie unter Berücksichtigung unseres Corporate Designs zusammengeführt und in Form gebracht.

Das Theater ist ein spannender und abwechslungsreicher Arbeitsplatz. Als kleine Abteilung in diesem großen Betrieb haben wir viele künstlerische Freiheiten aber auch eine große Verantwortung zu tragen. Beides weiß ich sehr zu schätzen. Die Möglichkeit, viele Inszenierungen sehen zu können, ist aber auch prima. Er grinst.

Daniel, lieben Dank für das Gespräch!

Daniel arbeitet als Grafiker beim Staatstheater Kassel und ist auch verantwortlich für das Design von fünfpluszwei. Nach dem Interview stellte er mir übrigens auch eine Frage. Ich sagte Ja.

Und was sagst du dazu?

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